Interview mit Emilys Giant
Vom Hardcoremusiker zum Soulsänger

Emilys Giant, das ist Singer-Songwriter Robert Groos-Albouts, manchmal allein, manchmal im Duo oder mit Band. In diesem Jahr hat er die Hofbühne des Open Flair Festival gerockt. Jan Schmidt und Eva Stützer haben ihn zum Interview gebeten.

Danke, dass du Zeit für uns hast! Wie war das Konzert für dich?

Es war schön. Etwas laut von gegenüber [Anmerkung: An der Hofbühne hörte man auch die Konzerte der Radio Bob Bühne.], aber relativ voll und es hat Spaß gemacht.

Was magst du mehr, normales Konzert oder Festival?

Mittlerweile eher normale Konzerte im kleinen Club. Das ist natürlich immer etwas anderes, wenn Leute extra für einen selbst kommen und ein bisschen Eintritt zahlen. Dann sind alle fokussiert und leise. Das würde ich jetzt bevorzugen. Generell fand ich Festivals aber immer ziemlich geil. Jetzt bin ich aber etwas ruhiger und nicht so partyaktiv.

Wie würdest du Leser*Innen, die dich nicht kennen, beschreiben, was du machst?

Ich bin ein klassischer Songwriter mit englischen Texten. Oft sind meine Songs traurig, die Themen düster wie zum Beispiel Tod, Verlassen, Einsamkeit. Die Songstrukturen sind nicht so mega kompliziert, das ist, was es eingängig macht. Manchmal ist auch ein wenig Soul dabei.

Du warst auch mal als Duo unterwegs. Gibt es das noch?

Nein, das Duo gibt es nicht mehr. Ich habe einen Schlagzeuger und einen Bassisten, aber derzeit bin ich solo unterwegs. Ich habe auch nur noch wenige Auftritte in diesem Jahr, damit ich schreiben und ein Album mit klassischer Bandbesetzung aufnehmen kann.

Wie macht sich der Unterschied zwischen Soloauftritt und Band für dich bemerkbar?

Bei Soloauftritten muss man alles etwas knackiger machen als mit der Band. Da hat man rein instrumentalisch eine eigene Dynamik. Mit Gitarre und Gesang ist es schwieriger, die Leute am Ball zu halten. Daher bin ich Fan von eher kürzeren Shows, maximal eine dreiviertel Stunde. Wenn ich zu anderen Songwritern aufs Konzert gehe, finde ich es auch besser, wenn es nicht zu lange dauert. Es könnte unter Umständen langweilig werden.

Schaust du dir viele Konzerte an?

Nicht so viele. Letze Woche war ich auf einem Soulkonzert, das war schön. Sonst habe ich immer selbst Konzerte gespielt oder auch als Support. Da muss schon was Geiles in die Stadt kommen, wo ich richtig Bock drauf habe, dass ich zusätzlich zu Konzerten gehe. In meinen Hochzeiten hatte ich ja 100 Auftritte im Jahr gespielt, da war ich froh, wenn ich daheim sein konnte und nicht im Club.

Du hast für die Musik auch dein Studium und deinen Job beendet. Warum? Was war der Auslöser?

Das war eh nur ein kleiner Nebenjob und ich habe Bildende Kunst studiert. Es fing da schon an, dass ich viel auf Tour war. Im Studium ging es hauptsächlich um Malerei und das ist sehr zeitintensiv, wenn man es gut machen will. Ich hatte auch ein Atelier, einen Galeristen, habe Ausstellungen gemacht und immer wieder mal etwas verkauft. Das war cool, aber ich dachte, es klappt besser, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Ich könnte mir vorstellen, mich irgendwann damit wieder intensiver zu befassen. Aber es war sinnlos, ein Atelier zu mieten, wenn man nie da ist.
Von Musik und Konzerten kann man gut leben und es funktioniert für mich. Bei der Malerei ist es willkürlicher.

Hat Malen eine Ventilfunktion für dich wie auch Musik?

Ja, klar, auf jeden Fall. Es gab auch Phasen, wo ich keine Musik gemacht habe und nur monatelang im Atelier rumhing. Dann kam wieder die Musik und da bin ich hängen geblieben.

Im Internet findet man Emilys Giant unter der Genrebezeichnung „Indie Folk“. Kannst du dich damit identifizieren?

Ja, das ist ja ein breiter Begriff. Ich mache beim Gitarrespielen nicht immer das klassische Fingerpicking. Aber die Texte sind oft Folk. Wenn ich mal mit Band spiele, dann kommt auch eine E-Gitarre oder Orgel rein. Dann ist das mehr Indie.

Was reizt dich daran, dass du so viel Energie da hinein stecken kannst? Wieso dieser Stil?

Ich habe bisher immer alles live aufgenommen, so einfach wie möglich. Wir haben alle möglichen Ausflüge gemacht, hin zu E-Gitarre, diversen Effekten, Krach, vertracktere Sachen. Ich kam aber immer wieder zurück zur akustischen Gitarre und Gesang. Alle Effekte verkaufe ich irgendwann immer wieder.
Vor allem das Tourleben allein gefällt mir. Mit Rucksack und Gitarrenkoffer im Zug habe ich viel Zeit für mich. Das ist der einfachste Weg und sehr schön, wenn es solo funktioniert.
Bei dem, was ich gerade für ein neues Album schreibe, werden andere Instrumente hinzukommen, aber weitestgehend bleibt es akustisch. Ich habe mir nach 600 Konzerten jetzt eine richtig geile Gitarre gekauft. Das wäre ja doof, wenn ich die nicht spielen würde. Schlagzeug, Bass und Tasteninstrumente kommen unterstützend hinzu.

Wenn du dir ein Genre aussuchen könntest, um Musik zu machen, welches wäre das?

Soul. Ich mag Leute wie Charles Bradley mit einer geilen, groovigen Band im Hintergrund. Ich hätte gern irgendwann eine Band, wo ich nur singe. Ich habe mich noch nie als Gitarristen gesehen, nur als Sänger. Da habe ich Bock drauf. Ganz früher habe ich Hardcore gemacht, das war auch geil. Da habe ich nur geschrien. Aber das würde ich nicht mehr wollen.

Was ist in deinem Kühlschran

Tacos, Tortillafladen, alkoholfreies Bier, Milch, rote Bete immer und ich habe eine große Sammlung scharfer Soßen. Die Kühlschranktür ist damit belegt. Ansonsten gar nicht so viel, weil ich meistens frisch koche. Habe es nicht so weit zum Gemüsemarkt meines Vertrauens und zur Metzgerin meines Vertrauens, Frau Sturm, mit eigener Schlachtung.

Danke für dieses Interview!

www.emilysgiant.com

Interview/Foto: Jan Schmidt, Eva Stützer

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