Über Kaffeekamele und Satanskult
Alle meine Entchen

Eine kurze Abrechnung mit den Musikredakteuren der Radiosender. Aber Vorsicht, wir sind noch lange nicht quitt, Leute!

Ich oute mich heute: Wenn ich das Radio einschalte, läuft Deutschland Radio Kultur. Ja, genau. Allerhöchstens – wenn mir mal die Laune danach steht- läuft noch Fritz, ein berlinisch-brandenburgischer Sender. Denn wenn ich das Radio einschalte, will ich Nachrichten hören oder interessante Fakten, Reportagen, etwas über Technik oder neue Bücher. Würde ich Musik hören wollen, könnte ich eine CD einlegen. Ja, ich besitze noch CDs. Na und?
Oder ich würde vielleicht sogar Youtube öffnen. Aber im Leben würde mich nichts auf die Idee bringen, Jump, Hr3, Antenne schieß mich tot oder all die anderen kotzreizerregenden Sender absichtlich einzustellen.

Nun traf mich allerdings das Unglück, dass der Urlaub zur Feier des bestandenen Abiturs eine jeweilig sechsstündige Autofahrt zur An- und Abreise umfasste, auf denen man die Sender von Thüringen bis zur Ostsee durchging.

Die schlimmsten 12 Stunden meines Lebens. (Nein, eigentlich nicht. Aber es klingt so schön dramatisch.)

Trotzdem war es nicht gerade einfach, das zu überleben. Ich kann nicht verstehen, warum sich andere das freiwillig antun.
Es ist das immer gleiche Gejohle, das mich wahnsinnig macht.
Jeder Sender spielt dieselbe Musik, schwätzt aber von reichlich Abwechslung. Ich will diese Lügen einfach nicht mehr hören. „Wir haben die beste/ neueste/ schönste/ einzige Musik.“ Nein, habt ihr eben nicht. Aber klar, wenn alle Sender gleich sind, kann man natürlich im Schwanzvergleich vom längsten sprechen.

Hier eine Hitcompilation der aktuellen Musik, die sicherlich die komplette Playlist ergibt. Ich möchte noch anmerken, dass ich „Hit“ nicht im Sinne von „beliebter Song“ meine, sondern mich vielmehr davon physisch gepeinigt fühle, also wie „to hit“ – „schlagen“.

Da ist Omi  mit seinem Gefispel über Cheerleader. Er bezeichnet sich nicht nur wie eine Frau, sondern singt auch wie eine.
Danach kommt Jason Derulo, der scheinbar nach einem Schlaganfall im Wort „want“ festhängt und es nicht schafft, einen Satz ohne dieses zu bilden.
Irgendeine Frau kann nicht glauben, was sie aus Liebe getan hat. Man kann aber nicht helfen, wenn man denn wollte, denn sie sagt ja nicht, was genau los ist. Kann sie auch gar nicht wissen, denn das Ganze ist ja leider auch nur eine Coverversion.
In einem anderen Song gibt es niemanden, der jemanden so gut liebt wie irgendwer. Alles Dinge, die kein Schwein interessieren.
Ständig geht es in den Liedern um Herzchenkitsch oder das Sexleben vom Komponisten, der in den seltensten Fällen der Sänger ist. Wo bleibt der gute alte Protestsong? Seit wann distanziert sich Musik vom aktuellen Weltgeschehen? Wo sind denn wenigstens lustige, nicht ernst gemeinte Songs über Bademeister und Zitroneneis zum Beispiel?

Nein, nichts davon. Es geht schon lange nicht mehr um Texte, sondern nur noch um Namen und das abartige Gewummer, mit dem alle Songs unterlegt sind. Wenn ich dann noch daran denke, dass die Erschaffer dieser Folterinstrumente für jedes Mal, dass ihr „Lied“ im Radio erklingt, sechs Euro erhalten, kann ich nur noch an ein Lied denken: Radio brennt

Text und Foto: Eva Stützer