Über Kaffeekamele und Satanskult
Die Mauer muss weg!

1989 ist die Mauer in Deutschland gefallen. Jedoch nicht die in unseren Köpfen. Eine Eisenacher Ausstellung arbeitete das Thema noch einmal auf.

Ein Besuch meiner Freundin Brigitta Fuchs* in Eisenach ist immer etwas, auf das ich mich freue. Da kommt man planlos an und weiß nie, was passieren wird.
Am Vorabend des dritten Advent war es wieder soweit. Nach einer deftigen Suppe und etwas Entspannung haben wir Eisenachs „Partyszene“ (hüstel) unsicher gemacht. Doch das ist nicht so berichtenswert.

Dafür schleifte sie mich am nächsten Tag spontan in den Kunstpavillon, wo die Aktion „Licht aus!“ einen krönenden Abschluss finden sollte.
Dort befand sich die Ausstellung „Zwei-Land“ mit einer 25 Meter langen Mauer, die einen Monat lang von allen Besuchern bemalt, beschrieben und beschmiert werden durfte.

Weiterhin fand sich eine Installation von Demonstrationsschildern, die sich im Kreis drehte und Videoclips zum Thema Mauer.

KreisdemonstrationWir bewaffneten uns mit Stiften und gestalteten die Mauer nach Belieben. Von Zitaten aus Poetry Slam Texten bis hin zu lebensgroßen Bildern. Wir hatten viel Spaß dabei und schnell fanden sich Bewunderer unserer Kunst.

Ich bin das BöseDann entdeckten wir die Wunschballons aus Pappmaché, an denen man Papiere mit seinen eigenen Wünschen festmachen konnte.

Wunschballons
Und natürlich ließen wir uns auch nicht die Mauer-Wurf-Bude entgehen, bei der man eine kleine Holzmauer mit Bällen einreißen konnte. Dass wir aufgrund unserer „Die Mauer muss weg!“-Parolen schief angeschaut wurden, störte uns nicht.

Schnell war eine Stunde vergangen und die hochoffizielle Veranstaltung fing an. Nach dem Motto „Vier Musiker übertreten Grenzen“ starteten erst 4xSample, zwei Beatboxer aus Berlin, und wurden dann von Soulmusiker L.A. Exson und Gitarrenvirtuosen Dieter Gasde unterstützt.
Es machte ganz viel Spaß, ihnen zuzuhören und mit ihnen zu quatschen.

Musiker

Danach wurden wir an die Scheren gebeten. Die Mauer sollte nun ein weiteres Mal fallen. Mit einigen anderen Zuschauern schnitten wir aus der Mauer die Teile, die uns gefielen. Brigitta und ich haben die Bude ordentlich abgerissen.

Abriss

Es war nicht einfach, diese riesigen Mauerstücke auf dem Fahrrad zu transportieren, aber an meiner Zimmerwand machen sie sich ganz gut.
Außerdem dürfte bestimmt der ein oder andere zu Weihnachten einen Reisegutschein in Mauer verpackt bekommen haben.

Diese Veranstaltung war echt etwas Besonderes.

 

*Name aus Jux und Tollerei geändert

 

Text und Fotos: Eva Stützer