Über Kaffeekamele und Satanskult
Überschriften werden oftmals überbewertet.

Auszüge auch.

Es ist ganz schön furchtbar, wenn man eine Onlineglosse regelmäßig veröffentlicht und es einem dann an Ideen mangelt. Einfach bitter. Da hat man schon so viel zu tun, dass man kaum zum Schreiben kommt und findet trotzdem nichts, das wert wäre, darüber zu referieren.

Ich bin untröstlich. Daher wende ich jetzt einen alten Trick unter Poetry Slammern an:

Ich arbeite derzeit bei einem Notar als Aushilfe. Könnte natürlich lustig sein, tatsächlich birgen der Job und das Büroleben ihre eigene Komik, wenn man genau hinschaut, doch großteils geht es nur ums Aktenhin- und -herschieben, um Kaufverträge und viele, ja viele!, Scheidungen. Das macht schon nachdenklich, wenn Leute dreißig Jahre zusammenleben, Kinder großziehen und dann doch noch sagen: „Jetzt reicht’s.“

Ansonsten stehe ich gerade etwas im Umzugsstress. So ein Umzug ist auch eine durchaus witzige Geschichte, aber erst im Nachhinein. Währenddessen ist es ein heilloses Durcheinander, das man so schnell wie möglich hinter sich gebracht haben will. Dinge fallen runter und gehen kaputt oder funktionieren nicht so wie geplant. Flüche beschreiben indes den Verzweiflungsstand der Helfer. Das könnte ein Thema für später sein, doch zum jetzigen Stand ergäbe es nur einen traurigen Abschiedstext.

Über meinen Status der angehenden Studentin schon alles geschrieben, was ich weiß und preisgeben will. Viel ist es nicht, das Semester hat ja nicht mal begonnen.

Was ich gerne einmal wieder schreiben würde, ist eine waschechte Glosse, etwas Gesellschaftskritisches und Politisches. Natürlich gibt es da dieses eine Thema, das allgegenwärtige. Aber so ziemlich jeder hat sich dazu bereits geäußert, sei es auch nur durch einen Facebooklike eines ProAsyl Bildes oder einen geschmacklosen Kommentar unter einem Pressetext. So ziemlich alles wurde dazu schon einmal gesagt. Wer bin ich, dass ich mich noch einmischen sollte?

Andererseits geht es uns alle etwas an. Jeder muss für sich entscheiden, was für ein Mensch er sein will. Und jeder sollte eine Meinung dazu haben. Bedauerlicherweise ist es nicht schwarz und weiß. Leute, die Ja zu Flüchtlingen sagen, sind nicht gleich Götter, nicht alle Neinsager sind Arschlöcher, auch wenn es viele darunter gibt.

Es ist eine tiefgehende moralische Frage. Der Schwerpunkt für mich ist unsere Soziabilität. Wenn wir schon keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass sie sicher und würdig irgendwo leben. Was tun wir stattdessen?

Liefern Waffen an jeden, der Kohle hat.

Beuten andere Länder wirtschaftlich aus.

Heben dann den Zeigefinger zur Mahnung. „SPAREN, Leute, SPAREN!“

Brüsten uns. „Ja, wir sind so liebe Mit-EU-ler, wir geben euch Kredite (die euch einen Scheißdreck bringen, weil wir immer mehr Zinsen draufpacken und ihr nie aus eurer Schuldenfalle herauskommen werdet! )“

Ja, ich bin für die Aufnahme von Flüchtlingen. Dafür, dass sie in Kirchen, Gemeindehäusern und öffentlichen Gebäuden untergebracht werden. Gerne auch in leerstehenden Privathäusern. Dafür, dass uns die deutsche Bürokratie einmal nicht auf den Wecker geht. Dafür, dass der wohlmeinende Präsident Gauck sein Schloss Bellevue für sie öffnet. Und dafür, dass wir unsere dreckigen, im Blut anderer gewaschenen Hände aus den Angelegenheiten anderer Länder lassen.

 

Text und Bild: Eva Stützer