Über Kaffeekamele und Satanskult
Eine Ausstellung ist lustig…

Wir haben die Ausstellung „Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer“ von Julius von Bismarck in Göttingen besucht. Ein Erfahrungsbericht.

Wir schreiben den 28. Juli 2015. Es ist 12 Uhr. Der Treffpunkt ist Hallungen. Die erste Frage des Tages stellt sich: Was zur Hölle will man in Hallungen, einem Kaff voller Ödnis? Tja, es ist für uns, Eva und Brigitta, der strategisch beste Ort, um die weite Reise nah Göttingen zu beginnen, die wir heute antreten wollen, denn dort stellt Julius von Bismarck – ganz recht, ein Nachfahre Otto von Bismarcks – unter dem Titel „Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer“ aus.

Die erste Erkenntnis des Tages kommt uns im Gespräch mit dem Busfahrer: Im Schienenersatzverkehr kann man schwarzfahren. Ausprobieren auf eigene Gefahr.
In Göttingen angekommen, haben wir Hunger. Wir können uns aber nicht auf ein Gericht einigen. Da wir uns plötzlich vor einem Plakat der Ausstellung wieder finden, gehen wir hungrig hinein.

Im ersten Raum hängen Bilder von Tauben. Ungewöhnlich bunte Tauben. Der Untertitel lautet „Some pigeons are more equal than others“. Bismarck entwickelte eine Maschine, die Tauben fängt und mit Lebensmittelfarbe färbt. Noch zwei Jahre nach der Aktion sollen bunte Tauben gefunden worden sein.

Im nächsten Raum läuft ein Film, „Punishment I“. Wir sehen schöne Landschaften, Wasser, Bäume Steine, Gletscher, einen Rastplatz und einen peitschenden Julius von Bismarck. Unermüdlich kämpft er 34 Minuten mit der Peitsche. Im Hintergrund erzählt eine weibliche Stimme die Geschichte von Xerxes. Immer wieder erwähnt sie auch Asylbewerber. Die Nutzlosigkeit des Kampfes Mensch gegen Natur wird sichtbar. Bismarck wirkt hilflos, geradezu lächerlich. Wie sehr wir die Erde auch zerstören, zuerst sterben wir. Ich frage mich, ob irgendwer die Peitschenschläge gezählt hat. Brigitta meint: „Wollen wir das auch mal machen? Ich habe eine Gerte zuhause.“

Im nächsten Raum läuft ein Film so langsam, dass man Minuten braucht, um zu erkennen, dass sich etwas bewegt. Noch länger dauert es, bis wir erkennen, dass es sich um Wellen handelt. Der Titel heißt „Den Himmel muss man sich wegdenken“.

Wir sehen eine Installation von einem Boot, weitere Bilder und eine halbstündige Doppelprojektion namens „Landscape painting“, in der Bismarck mit unzähligen Helfern ganze Felsformationen und Waldstücke weiß ansprüht, nur um sie dann wieder in der Ursprungsfarbe anzupinseln. So ungewöhnlich die Idee auch ist, man muss sich schon fragen, ob das wirklich nötig ist.

Dann kommen wir zu dem Video, auf das ich gewartet habe: „Baumanalyse“. Bismarck läuft mit einem Messer in der Rinde um einen Baum, bis dieser umfällt. Gerne hätten wir das Ende gesehen, aber der Film hat gerade erst angefangen. Er dauert acht Stunden, so lang hat die Ausstellung gar nicht geöffnet.

Außerdem treiben uns unsere knurrenden Mägen in die Göttinger Innenstadt. Doch dieser Besuch hat sich gelohnt!

Julius von Bismarck

„Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer“
5. Juli – 23. August 2015
Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr

Altes Rathaus (Markt 9) Göttingen

Eintritt: 2 €, 1,50 ermäßigt

 

Text und Fotos: Eva Stützer