Über Kaffeekamele und Satanskult
12 Jahre vorbei

Der Schulabschluss: eine schwierige Situation, die jeder einmal hinter sich bringen muss, ob nun erfolgreich oder nicht.

Es ist ein ziemlich seltsames Gefühl, wenn eine Ära endet.
In der 5. Klasse war die neue Schule ganz aufregend für uns. Wir hatten wahnsinnige Panik vor den Aufgaben, die auf uns zukommen sollten. Abitur? Das würde sicherlich schrecklich hart.
Mit der Zeit gewöhnten wir uns an alles und beteten um das Ende der Schullaufbahn.

Jetzt stehen wir kurz vor unseren Prüfungen. Vorgestern war meine letzte Schulwoche, bekannt auch als Mottowoche und mein letzter Schultag, den man traditionsgemäß ja hart feiert.
Wir haben also eine Woche lang lustige Kostüme getragen und den ganzen Tag Pizza, Döner, Grillzeug und Kuchen gegessen, weil es sich auch nicht mehr lohnt, die letzten Stunden mit Unterricht zu füllen.

Donnerstag Nachmittag blieb dann ein Teil von uns in der Schule, um Verwüstung anzurichten. Die Tischordnung wurde auf den Kopf gestellt, zu Türmen aufgebaut oder in die Toiletten gebracht.
Plakate und unsere lustigsten Sprüche aus den letzten drei Jahren wurden aufgehängt.

Lateinraum 2015

 

 

 

Plakate

Am nächsten Morgen, als man um 5 Uhr früh kilometerweise Absperrband verlegte und das erste stille Wässerchen* trank, ging es weiter. Das Lehrerzimmer wurde kurzerhand zum Mülltonnenstandplatz erklärt, das schwarze Brett zugehangen. Säckeweise Kronkorken und Schaumstoffabfall fanden auf den Fußböden eine neue Bleibe. Dank Parfüm und Deodorant roch es schlimmer als im Douglashauptquartier.

Dann wurden Wasserpistolen geladen und Lippenstifte gezückt. Die Schulbusse würden bald die Blagen bringen. Die wurden sogleich heftig beschmiert und eingenässt, dann kamen noch die Lehrer, die Polizei und – wie das auf dem Dorf so ist – ein Traktor. Alles ziemlich abgedreht und durcheinander.

Dann ging unser zweistündiges Programm los. Ein bisschen Verspottung der Lehrer, ein bisschen Selbstironie, ein bisschen Abisong. Ende.
Aufräumen. Wer hat sich die Scheiße mit dem Schaumstoff ausgedacht? Eine Stunde lang gekehrt, abgehängt und umgebaut. Ausgangszustand. Was man nicht alles für ein bisschen Spaß tut.

Zwischendurch mussten noch T-Shirts unterschrieben und Unterrichtsstunden der Jüngeren gestört werden. Trinken nicht vergessen, es war ein heißer Tag. Der Bus fuhr uns schließlich zur Festhalle, wo wir in der Sonne lagerten. Bisschen fressen und so. Einfach mal fett prokrastinieren. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Außer, es kommen ein paar Pfeifen und bekriegen sich mit Wasserpistolen, während man selbst als Schutzblockade dient.
Sonnenbrand, dutzende Fotos und bemalte Strumpfhosen sowie Knie sind meine Mitbringsel aus diesen Stunden.

Nachmittag

Am Abend ging dann die Party los. Durchdringende Bässe und flackernde Lichter, in denen sich Gestalten zwischen Tanz und Orientierungsverlust bewegten. Je länger der Abend, desto orientierungsloser. Manch einer war „ganz schön gut dabei“. Der Heimweg verlief mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Disco
Der Morgen danach warf viele Fragen auf:
Woher kommen die grünen Flecken auf meinem Pulli?
Wo sind meine Sachen (Sonnenbrille, Portmonee, Jacke, Rucksack, Schlüssel)?
Warum ist mein Knie geschwollen?

Und dennoch war der Tag zu einhundert Prozent geil.
In dieser Woche wurde manchem bewusst: Das ist das Ende von 12 Jahren Unterdrückung, Langeweile, frühem Aufstehen und Schulbussen, aber auch den besten Freunden, lustigen Begebnissen, fetten Partys. Wie schnell die Zeit doch vergeht.
Es ist ein schmaler Grat zwischen Erleichterung, endlich gehen zu dürfen und Trauer, gehen zu müssen und damit alle zurückzulassen, die in andere Richtungen gehen. Gerade die Leute, mit denen ich erst in den letzten Tagen und Wochen richtig warm geworden bin, werden vielleicht nie zu guten Freunden, weil die Verbindung nicht so stark ist wie zu langjährigen Leidensgenossen.
Aber auch jene, die man eigentlich nicht wirklich mag, werden dann fehlen.

Trotzdem sollten wir jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Es werden neue Leute kommen, die –so unpersönlich das auch klingen mag- die alten ersetzen und ein Wiedersehen ist auch sehr wahrscheinlich.
Vielleicht sieht man sich sogar nächstes Schuljahr wieder, wenn man die Prüfungen verhauen hat und erneut die Schulbank drücken muss.
*Schnaps! Bier! Cocktails!

 

Text: Eva Stützer
Fotos: Schüler der „Westminster ABI 2015“