Über Kaffeekamele und Satanskult
„Hey, du! Willst du ein Dr. kaufen?“

Doktor werden ist nicht schwer, Doktor bleiben aber sehr.

Es ist schon erstaunlich, wie das Leben so spielt. Da sitzt man am frühen Sonntagnachmittag am Radio und erwartet keinerlei glückverheißende Nachricht wie zum Beispiel:

„Unglaubliche Verwechslung beim Auszählen der Wahlzettel

Der vermeintliche Wahlsieg der CDU bei der Bundestagswahl war nur ein Versehen. Erstaunlicherweise haben die Wahlleiter eines Großteils der Kreise die Prozente nur falsch aufgeschrieben. Somit ist eine neue Auszählung von Nöten, die ein völlig anderes Ergebnis bringen wird.“

Nein, so etwas höre ich nicht. Wäre ja wie im Traum. Doch etwas anderes  erreicht das Humorzentrum meines Gehirns und bringt es zum Vibrieren:

„Neue Plagiatsvorwürfe gegen Frank-Walter Steinmeier von der SPD“

Lachkrampf! Steinmeier ist also der nächste. Nicht nur, dass mir noch nie aufgefallen sein sollte, dass er einen Doktortitel hat, jetzt soll er auch noch beim Doktorn abgedoktort haben. Herrlich.

Der wievielte ist er eigentlich? Und wie viele werden noch kommen? Wer? Von welcher Partei?
Wäre doch eine gute Gelegenheit, ein Wettbüro dafür zu eröffnen.

Oder sollte man am besten gar keine Doktorarbeit schreiben, wenn man in die Politik gehen will? Dann hat man nicht so viel Arbeit, die auch nicht umsonst ist. Wobei bei einer abgeschriebenen Arbeit auch nicht unbedingt viel zu tun bleibt.
Vielleicht muss man auch seine Doktorarbeit abschreiben, um ein berühmter Politiker zu werden, schließlich kam das in letzter Zeit nicht gerade selten vor. Und keiner hat es offen und ehrlich zugegeben.

Hier ist eine kleine Hitliste der Reaktionen auf Plagiatsvorwürfe:

  • Platz 1   (32 Stimmen)
    Silvana Koch- Mehrin: „Dass meine Doktorarbeit kein Meisterstück ist, weiß ich bereits seit elf Jahren.“
  • Platz 2   (19 Stimmen)
    Karl-Theodor zu Guttenberg: „Der Vorwurf ist abstrus.“
  • Platz 3   (17 Stimmen)
    Bijan Djir-Sarai: „Bereits zu Beginn des Verfahrens hatte ich allerdings den festen Entschluss gefasst, das Ergebnis – egal wie es ausfallen würde – nicht im Nachhinein gerichtlich anzufechten.“
  • Platz 4   (11 Stimmen)
    Jorgo Chatzimarkakis: „Ich bin kein Plagiator.“
  • Platz 5   (9 Stimmen)
    Matthias Pröfrock: „Mir ist sehr daran gelegen, dass das schnell und sauber geklärt wird.“
  • Platz 6 (8 Stimmen)
    Veronica Saß: „ …“ (Sie wollte ‚sich nicht zum laufenden Verfahren äußern‘.)
  • Platz 7   (5 Stimmen)
    Annette Schavan: „Wer sich mit meiner Dissertation beschäftigt hat, mit dem bin ich gern bereit, über diese Dissertation zu  sprechen, über das Zustandekommen.“
  • Platz 8 (1 Stimme)
    Frank-Walter Steinmeier: „Absurder Vorwurf“

Herzlichen Dank an alle, die abgestimmt haben.

Zum Schluss gibt’s noch eine kleine Anleitung zum Doktorwerden:

Ausdrucken, ausschneiden, aufs Klingelschild kleben, fertig!

 

Fotos und Text: Eva Stützer