Über Kaffeekamele und Satanskult
Erste bundesweite Straßenkinderkonferenz

19. bis 21. September 2014
Die Mobile Jugendarbeit zu Besuch in Berlin. Vierter Teil des Reiseberichts: Die Ergebnisse

Fortsetzung von Teil 3

Die Nacht war hart, der Morgen ist lustig.
Nach dem Frühstück soll es gleich mit Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen, die die Straßenkinder betreffen, weitergehen.
Da die Organisation aber wieder etwas Zeit braucht, langweilen sich die anderen. Plötzlich sitzen sie in einem Stuhlkreis. Da kann sich die ein oder andere Schulklasse eine Scheibe von abschneiden.
Meinem Lauschangriff zufolge handelt es sich um eine Selbsthilfegruppe „Wie erziehe ich meinen Erzieher?“.

Es folgt eine Einteilung in die Arbeitsgruppen. Wir schleichen uns, genau wie die Leute vom Fernsehen und Radio, durch die Zimmer, um einen Überblick zu erlangen.

In der Gruppe „Ich und die Jugendhilfeeinrichtungen“ hören wir vorwiegend von den schlechten Erfahrungen, die gemacht wurden. Darunter auch Verstöße gegen die Menschenrechte. Manche der Anwesenden wurden behandelt wie Objekte. Es ist wirklich furchtbar.
Doch das KIDS- Hilfezentrum in Hamburg wird gelobt, besonders der Betreuer Malte bekommt immer wieder Applaus.

Danach besuchen wir die Gruppe „Wie ich auf der Straße gelandet bin“. Wieder hören wir erstaunliche Geschichten. Wir versuchen uns einzubringen, auch wenn wir nicht über viele persönliche Erfahrungen in diesem Bereich verfügen.

Beim Plenum werden dann die Ergebnisse von den Gruppen vorgestellt.

Vor allem werden Forderungen nach Toleranz laut. „Versucht doch selbst einmal, zwei Tage auf der Straße zu überleben.“
Man will über seine Rechte informiert werden, es soll Gewaltfreiheit und realitätsnahe Pressearbeit auf Augenhöhe statt niveauloser Berichte geben. Hierbei scheint RTL ein Todfeind zu sein.
Die Betreuung muss verbessert werden, auch als Präventivmaßnahme.
Wir erfahren, dass viele Obdachlose immense Schulden angehäuft haben. Der Witz dabei: Es geht um winzige Delikte. Schwarzfahrerei, die Strafe kann nicht bezahlt werden, es gibt noch mehr Geldstrafen… Ein Teufelskreis ohne Ausweg.
Dabei wollen die Leute hier auch nur ein geregeltes Leben, eine Arbeitstelle und ein Zuhause. Man macht es ihnen aber schwer.

Die Quintessenz des Plenums lässt sich wieder mit dem Motto zusammenfassen: Mein Name ist Mensch. Man möchte doch bitte auch so behandelt werden. Wir hoffen inständig, dass wenigstens ein paar der Forderungen umgesetzt werden können.
Die Teilnehmer danken rührend den Organisatoren dieses Wochenendes. Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Demo.

Die etwas unterbesetzte AG „Ich und das Jugendamt“ hat Anagramme aus dem Titel gebildet: „Mein Name ist Mensch.“ Und die Antwort des Jugendamts darauf: „Das ist uns neu.“
Zuerst ein Lacher, dann schluckt man doch, denn das ist viel zu nah dran an der Realität.
Hier gibt es weitere Eindrücke der Veranstaltung.

Der letzte Punkt auf der Tagesordnung sind Kreativworkshops: Textildruck mit einer Designerin von Sophisticated People, Erste Hilfe und Fußball, der FC Unter 1,70 spielt gegen den FC Über 1,70.

Ann-Sophie initiiert eine Flachwitzchallenge, einige Jungs treffen sich zum Rapbattle, danach gibt es einen Kinoabend und eine Wasserschlacht, weil jemand Geburtstag hat.

Am nächsten Tag folgt ein sehr herzlicher Abschied mit vielen Umarmungen. Wie schnell so eine Truppe mit ähnlichen Schicksalen zusammenwachsen kann…

Wir machen uns auf zum Berliner Hauptbahnhof. Dort treffen wir auch auf Obdachlose, nur ältere und führen ein kurzes, trauriges Gespräch mit ihnen.
Hoffentlich kann auch ihnen durch die Konferenz geholfen werden.

Wir verfolgen auf jeden Fall den weiteren Verlauf, danken allen Teilnehmern und Organisatoren, dass sie uns Einblick gewährten und wünschen nur das Beste für die ihre Zukunft.

Text: Eva Stützer
Fotos: Ann-Sophie Groß

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