Über Kaffeekamele und Satanskult
Erste bundesweite Straßenkinderkonferenz

19. bis 21. September 2014
Die Mobile Jugendarbeit zu Besuch in Berlin. Dritter Teil des Reiseberichts.

Fortsetzung von Teil 2

In unserem spontanen Interview mit Simone Just, der Direktorin und Musiklehrerin der Montessorischule „Sternenwiese“ in Pankow, äußerten wir, wie beeindruckt wir von der Perfomance waren.
Sie erzählte, dass es für sie ein Herzensthema wäre, denn Statistiken zufolge würde jedes neunte Kind in Deutschland missbraucht. Sie will sich für Kinder und auch Eltern, die schon auf der Straße lebten, einsetzen. Ihre Schule ist um einen guten Austausch zwischen sozial schwachen und starken Familien bemüht.
Wir erfuhren, dass die Kinder zwischen neun und dreizehn Jahre alt waren und den Auftritt innerhalb von zwei Monaten einstudierten.
Auf den Einwand, dass das Thema doch ein sehr hartes wäre, meinte sie, dass die Kinder lernen müssten, an so etwas heranzuwachsen und wach durchs Leben zu gehen. Die Variante, das szenisch auszuarbeiten, ist hierbei eine gute Möglichkeit. Von den Eltern sei sowohl Ablehnung als auch Zustimmung gekommen.
Wir sind wirklich beeindruckt von dieser Frau, ihrer Schule und den Kindern.

Sabrina Tophofen war seit ihrem zehnten Lebensjahr Straßenkind, weil ihr Vater sie schwer misshandelt hat und sie keine Hilfe vom Jugendamt, an das sie sich wendete, bekam.
Wir fragten sie, wie sie es geschafft hat, von der Straße wegzukommen.
Sie antwortete, dass ihr Freund sie zur Arbeitssuche aufrief, als sie 21 war. Also ging sie zum Arbeitsamt und zur Abendschule. Stück für Stück erntete sie Erfolgserlebnisse, machte ihren Hauptschulabschluss, arbeitete für das DRK und ließ sich zur Altenpflegerin ausbilden.
Dann fing sie an, Autobiografien zu schreiben.
Heute setzt sie sich im Namen von BACA (Biker against child abuse) für die Rechte von Kindern ein. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit.

Es sind wahnsinnig viele Eindrücke, die auf uns einströmen. Schnell hören wir die ersten erschreckenden Lebensgeschichten und Anekdoten über den Umgang miteinander in den Städten. Hier sind so viele Minderjährige, sogar jüngere als Ann-Sophie und ich, denen man es nicht ansieht. Es ist erschütternd.
Wir bemerken aber, wie sozialverträglich die Hunde sind, die die Straßenkinder oft bei sich haben. Da gibt es kein Knurren und kein Bellen.
Außerdem fällt auf, was für coole Persönlichkeiten die Streetworker sind und wie gut sie sich mit ihren Schützlingen verstehen.

Nach dem Abendessen gibt es Lagerfeuermusik mit Christian Haase, Bobo und dem Mädchen aus Berlin.
Ich möchte im Erdboden verschwinden, als sie sich tatsächlich „Atemlos“ von Helene Fischer wünschen und meinem Vorschlag, Die Ärzte oder WIZO zu singen, keine Beachtung schenken.

Der Abend gestaltet sich aber doch sehr schön. Bis wir uns auf unsere Isomatten und Schlafsäcke betten.

Fortsetzung folgt…

 

Text: Eva Stützer
Fotos: Ann-Sophie Groß

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