Über Kaffeekamele und Satanskult
Erste bundesweite Straßenkinderkonferenz

19. bis 21. September 2014
Die Mobile Jugendarbeit zu Besuch in Berlin. Zweiter Teil des Reiseberichts: Die Pressekonferenz

Fortsetzung von Teil 1

Die Pressekonferenz beginnt mit leichter Verzögerung und stellen schon fest, wer die Spaßvögel sind. Der lustige Punk aus Hamburg ruft Dinge wie:
„Wenn ich noch länger warten muss, muss ich Montag wieder zum Antiaggressionstraining.“
„Beeilt euch mit dem Essen, haben sie gesagt…“
„Jetzt mache ich meinen Lolli auf, jetzt habt ihr mich soweit!“

Doch dann geht es los und schnell liegt Totenstille auf dem Saal, denn der Chor der Montessorischule „Sternenwiese“ in Pankow liefert eine eindrucksvolle Performance. Sie verbinden den Song „Mein Name ist Mensch“ von Rio Reiser mit den Lebensgeschichten mancher Straßenkinder. (Hier die Möglichkeit, es anzuschauen.)
Wir sind ziemlich überwältigt, da diese Kinder sehr jung sind und sich schon mit harten Realitäten auseinander setzen und diese auch noch so professionell darstellen.

Danach stellt Andrea Sawatzki eine Geschichte und das Modelabel „Sophisticated People“, dessen Schirmherrin sie ist, vor. Sie erklärt, dass Filmproduktionen Klamotten, Hundezubehör oder Ähnliches spenden, die aufbereitet an Straßenkinder gegeben oder in Geschäften verkauft werden.

Es folgt Manuela Schwesig, die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Nein, nicht wirklich, denn sie hat bloß ein kleines Briefchen mit einem Grußwort geschrieben, den wir praktischer Weise auch in unseren Pressemappen haben. Ich zitiere:
„Es ist euer Leben und ihr habt das Recht, über euer Leben zu bestimmen und Forderungen zu stellen!“
„Das, was so viele von euch als Kinder und Jugendliche erlebt haben, macht mich traurig und betroffen.“
„Auch das Bundesjugendministerium und ich als Ministerin tun etwas, damit junge Menschen nicht auf der Straße leben müssen. Wir fördern Projekte, die deutlich machen, wo Hilfe nicht funktioniert […]“
„Ich bin gespannt auf die Ergebnisse dieses Kongresses und wünsche euch für eure Zukunft viel Erfolg!“

Ich habe das Gefühl, ich sollte meine Kommentare besser für mich behalten, denn der Brief scheint mir schon voll von Sarkasmus und Ausrufezeichen.
Der Schirmherr des Kongresses und Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Thomas Krüger spricht da schon deutlichere Worte. Er ruft die Jugendlichen auf, Interessenvertretungen zu bilden.

Dann spricht der großartige Jim Rakete: „Demokratie ist für die, die auftauchen.“ Er fotografierte für dieses Event verschiedene Straßenkinder.
Die Buchautorin und ehemaliges Straßenkind Sabrina Tophofen wirft ihr Konzept um und erzählt aus ihrem eigenen Leben.
Abschließend spielt Christian Haase sein Lied „Die Irren“.

Nach der Konferenz ergreife ich gleich die Chance und bitte Frau Sawatzki um ein Foto und ein Autogramm. Auch Jim Rakete bleibt nicht verschont. Er erhält ein JiM-Heft in dem Glauben, es sei nach ihm benannt.
Doch wir kommen auch unserer Pflicht nach und führen Interviews mit der Leiterin der Montessorischule sowie Sabrina Tophofen.

Fortsetzung folgt…

Text: Eva Stützer
Fotos: Ann-Sophie Groß

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