Über Kaffeekamele und Satanskult
Busgeschichten

So oft, wie Busse in meinen Geschichten vorkommen, könnte man ja denken, dass ich im Bus wohne. Dem ist nicht so. Dennoch folgt jetzt wieder einmal ein Zusammenschnitt von Erlebnissen, die ich im Bus erlebt hab.

Es gibt eigentlich nur wenige Regeln beim Busfahren.
1. Es ist ein öffentlicher Raum, also Stöpsel in die Ohren und Klappe zu.
2. Wenn du schwarz fahren willst, lass dich nicht erwischen!
3. Die Coolen sitzen hinten, keine nervigen, kleinen Rotznasen.
Im Schulbus scheinen diese Regeln außer Kraft gesetzt zu sein.
Daher ist meine Laune meist schon im Keller, bevor ich meine Schule überhaupt erst erreicht habe.

Doch zum Glück gibts noch den guten, alten Linienbus.
Mit dem fahre ich allzu oft nach Mühlhausen und darin scheint es so einige Maßregeln auch nicht zu geben. Hier gehen abstruse Dinge vor sich.

Beim Einsteigen gehts schon los.Die Dame vor mir will zwei Fahrscheine mit zwei unterschiedlichen Geldscheinen kaufen. Der Busfahrer rechnet vor, die Ommma verstehts nicht. Der Busfahrer rechnet vor, die Ommma verstehts nicht. Der Busfahrer rechnet vor, die Ommma verstehts nicht. Es vergehen Minuten und ich hab den Bus nicht mal betreten. Ich hol gleich einen Abakus und rechne vor.

Ohne es kapiert zu haben, setzt sie sich auf einen Platz und klimpert mit ihrem Kleingeld rum. Der Busfahrer wird in seiner übermäßigen Freundlichkeit noch öfters durch den Spiegel fragen, ob alles in Ordnung ist und stimmt. Worauf sie ihm beleidigt entgegen pfeffert: „Ja, ja, ja.“

Eine andere ältere Dame mit wallendem grauen Haar fängt aus heiterem Himmel an, über das Wetter zu monologisieren. So muss vor Erfindung des Radios der Wetterbericht funktioniert haben. Ich muss anscheinend nicht mehr aus dem Fenster schauen und kann getrost vergessen, wie es gestern war. Gleich werde ich es nochmal erfahren.

Im nächsten Ort steigt ein Opa mit einer Gehhilfe ein. Er setzt sich und beginnt nach einiger Zeit, in regelmäßigen Abständen auf seine Klingel zu hauen. Das ist ungeheuer nervtötend. Ich stelle mir vor, wie jeder der Businsassen nacheinander einsteigt und ein cooles Lied entsteht.

Das prähistorische Radio redet wieder: „Es sind ja alte Häuser da hinten in der Bahnhofstraße. Ich hab noch eine dunkle Steppjacke, die werde ich morgen anziehen. Und der Mann ist ja schon zwanzig. Und die Schwägerin seiner Mutter ist ja auch schon tot. Alle tot.“
Ich überlege, ob ich einen anderen Radiosender einstellen kann. Der Empfang scheint nicht so gut zu sein.

Eine Mutter steigt mit ihrem Kleinkind ein und sagt ihm immer wieder, es solle „schön sitzen bleiben“.
Ich bin kurz davor zu fragen, wie man „schön sitzt“. Aber das ist eine gute Mutter, ihr Kind gibt keinen Ton von sich und geht mir insofern nicht auf den Wecker.

Da habe ich auch schon ganz anderes erlebt. Heute will ich mich nicht aufregen. Ich bin da angekommen, wo ich hinwollte. Das ist gut.

Text und Foto: Eva Stützer