Über Kaffeekamele und Satanskult
Festivalmugge

Am letzten Wochenende war das berüchtigte Open Flair Festival. Ich war dieses Mal auch im Namen des JiM Magazins dort zu Gange und hatte sehr viel Spaß. Doch wie so oft gab es auch den einen oder anderen Dorn in meinem Auge oder eher Blut im Ohr.

Da man für gewöhnlich Musik mag und es auf dem Zeltplatz keine Konzerte gibt, bringen viele Camper einfach ihre eigenen, manchmal sehr großen und sehr, sehr lauten Anlagen mit. Geht man über den Zeltplatz, gerätt man alle 20 Meter in ein anderes Lied.

Man möchte meinen, dass bei einem Musikfestival mit so tollen Künstlern wie Anti Flag, Madsen, Casper oder Rise Against, mit denen ich mich sehr gut anfreunden kann, zu einer ziemlich hohen Prozentzahl auch Menschen sind, die sich diesem Geschmack ebenfalls zugehörig fühlen.
Warum also musste ich neben dem einen Prozent schlafen, dessen halbe Playlist aus Helene Fischer bestand?

Beim Zeltaufbau ging es schon los. Da kämpft man mit diesem Haufen Plane und wird von hinten mit „Und morgen früh küss ich dich wach“ beschallt.
Zum Glück sind diese Zeltstangen zu dünn und instabil, um zu töten.
Sonst hätte ich schon am ersten Tag duschen müssen, um mir das Blut abzuwaschen.
Nein, ich ignoriere erst einmal das Hintergrundgedudel, was durch den einen oder anderen ausgewählten Tropfen festivaltypischen Billigbiers vereinfacht wird, bis ich dann den Zeltplatz verlasse und professionelle Musik auf der Bühne höre.

Des Nachts suche ich wieder das Zelt auf, bette mich in meinen Schlafsack, schließe die Augen und fahre ob eines „Mein Herz läuft Marathon“ wieder hoch.
Mir fehlt etwas hartes, woran ich meinen Kopf hauen könnte.
Während ich auf den Schlaf warte, fällt mir auf, dass man auf das Lied auch jeden beliebigen anderen Schlager singen kann. Die Melodie ist ja immer gleich.

Als sie am nächsten Morgen die Anlage starten, schrecke ich aus dem Halbschlaf und schaue aufs Handy. 5:20 Uhr.
Ich überlege, doch noch mal das Zelt abzubauen, um mit der Stange jemanden „wach zu küssen“.
Aber die unbequeme Nacht hat doch zu sehr geschlaucht. Ich falle noch zwei, drei mal in kurzen Halbschlaf.

Beim Verlassen des Zeltes höre ich Rammstein. Gehört zwar nicht zu meinen Lieblingsbands, ist aber vergleichsweise wohltuend. Vielleicht wird es ja doch ein guter Tag.

Text und Foto: Eva Stützer