Über Kaffeekamele und Satanskult
Berufe für jedermann

Du weißt noch nicht, was aus dir werden soll? Du suchst einen entspannten Job, der nicht auch noch deine Freizeit frisst? Dann gibt es hier das richtige für dich: Lehrer

Das Berufsbild:

Wenn du absolut keine Ahnung hast, was du werden sollst, dann ist Lehrer der perfekte Beruf für dich. Lehrer kennst du schon. Du hast dich jahrelang über sie geärgert und sie verspottet. Perfekte Voraussetzung, selbst einer zu werden.

Zuallererst musst du das Bewusstsein dafür entwickeln, dass du die absolute Autoritätsperson bist. Diesen Fakt solltest du mit allen dir zur Verfügung stehenden Mitteln unterstreichen. Gehe niemals einen Kompromiss ein, weder mit Schülern, noch mit Eltern oder gar Kollegen. Nicht, dass Schüler noch lernen, was Teamwork, Respekt und Empathie ist. In der Schule werden Einzelkämpfer ausgebildet.

Übe unbedingt Druck aus! Wenn du den Schüler nicht beschäftigst, beschäftigt er sich vielleicht selbst. Und wer weiß, welche kranken Ideen aus so einem unfertigen Hirnansatz herausschießen. Schüler sollten im Gegensatz zu dir bis zum Sandmännchen pausenlos durcharbeiten. Sinnlose Aufgaben dafür gibt es genug.

Du stehst zwar sehr früh auf, aber hast auch am frühen Nachmittag schon Feierabend.
Man erzählt immer, ein Lehrer müsste nach der offiziellen Arbeit noch Unterrichtsvorbereitungen oder Testkontrollen machen, aber mal ehrlich: Wen kümmerts? Du bist der Boss. Die Arbeiten kannst du auch noch im nächsten Schuljahr zurückgeben.

Der ultimative Trick, sich jeder lästigen Aufgabe zu erwehren, ist, die Schüler ackern zu lassen. Du sollst ein neues Stoffgebiet erläutern? Pah! Such dir den am wenigsten Dummen von ihnen und lass ihn es als Schülervortrag ausarbeiten. Fertig. Alles andere taugt als „Selbststudium“, weil die angehenden Berufstätigen ja dadurch lernen, „selbstständig zu arbeiten“. Ein super Witz im Lehrerzimmer!

Das wichtigste Utensil des Lehrers ist die Presse. Besorge dir eine sehr stabile. Sie darf ruhig etwas teurer sein. Schließlich müssen da jede Menge Schüler durch und sie muss dabei genau in Form bleiben. Wenn du Schüler hast, die nicht ins Raster passen, drückst du sie einfach da durch. Wende gern etwas Gewalt an und werde rauer. Nur ein mittelmäßiger und angepasster Schüler ist ein guter Schüler, wird ein guter Student, wird ein guter und ruhiger Bürger und fällt ins Grab, ohne aufgemuckt zu haben.

Das letzte, was ein Land wie unseres braucht, ist eine aufgeschlossene Bevölkerung mit Kreativität und Innovationsfähigkeit.
Bedenke immer, dass du den Status Quo aufrechterhalten musst. Veränderung ist nicht gut, sie könnte Verbesserung mit sich ziehen.

 

Text und Foto: Eva Stützer