Über Kaffeekamele und Satanskult
Die Affenwerdung des Menschen

Wenn Fingernägel zu Waffen werden und Mädchen heulen, weil sie kostenlos umgestylt und im Fernsehen wie Zirkustiere vorgeführt werden, dann hat „Germany’s Next Topmodel“ wieder einen Sendeplatz.

Liebe Leser,
ich könnte heulen. Ich bin so todtraurig darüber, dass die aktuelle Staffel „Germany’s Next Topmodel“ vorbei ist.

Glaubt der virtuellen Tinte nicht, Freunde. Wohl kaum etwas kann mich so glücklich machen wie nicht mehr von der belastenden Werbung in den Wahnsinn getrieben zu werden.

 

In den letzten Wochen (oder waren es Monate?) schwankte ich bei der Betrachtung dieser seelischen Folter zwischen Suizid- und Amokgedanken oder dem Wunsch nach vollständiger Isolation, sowie Wahnvorstellungen, Ängsten und  psychischer Instabilität.

Ich betone nochmals: Ich habe nur die Werbung gesehen.
Mir ist komplett unverständlich, wie andere sich ganze Staffeln anschauen können, ohne eine Gefahr für die Öffentlichkeit zu werden.
„Ich schaue das ja nur, wenn die sich anzicken und beim Umfallen heulen.“, sagt eine befragte Person.
Es klingt für mich absurd, aber dann schalte ich die Glotze an und höre den Sprecher sagen:

„Arminata strauchelt auf dem Catwalk. Sie weint und bricht zusammen.“
Freunde, das ist doch nicht euer Ernst, oder?
Und ein anderes Mal schnieft einer dieser behaarten Striche in der Landschaft: „Ich bin die jüngste hier und das ist so schwierig.“
Mädchen, ich hab zwei ältere Brüder. Erzähl mir nichts.
Und wieder eine andere keift: „Ich habe viel schönere Haare.“
Ja, wenn du sonst keine Talente hast, könnte das echt deine einzige Chance sein. Quasi eine an den Haaren herbeigezogene Karriere.

 

Aber ich glaube, einen Beweis dafür zu haben, dass die Einwirkung von GNTM dem menschlichen Gehirn Schäden zufügt: Heidi Klum.
Nach der (Nehmt bitte nicht an, ich wüsste das und erwartet erst recht nicht, dafür Recherche zu betreiben!) zwanzigsten Staffel sucht diese mentale Daumenschraube immer noch „das schönste Mädchen Deutschlands“.
Ist das eine Beleidigung gegenüber allen vorherigen „Topmodells“?
Und was sagt das über Heidi Klum selbst aus? Wäre sie denn nicht allzu gern die Schönste? Ich hoffte ja zu Beginn der Staffel, sie hätte Humor und würde sich den Titel am Ende selbst geben. Das wär eine super Pointe. Aber falsch gedacht.
Stattdessen muss ich zusehen, wie sie einen Bodybuildertypen fragt, ob er sie über Gleise tragen würde, da sie in ihren Schlampenstiefeln nicht laufen kann.

 

Um mich noch über fragwürdige Schönheitsideale und Charaktermerkmale der Kandidatinnen zu echauffieren, fehlt mir nach dieser Tortur einfach die Kraft. Und es hat ja keinen Sinn.
Da sich jetzt ein weiteres Wesen sich bis zu seiner Vergessenheit in den Medien rumtreibt und zum Objekt degradieren lässt, verfalle ich in Depressionen.

Mein Fazit:
Die Bestätigung des Vorurteils befinde ich für schade, aber Modell scheint ja tatsächlich ein Beruf für Mädchen zu sein, die ihren Inhalt (sofern sie denn überhaupt einen haben) lieber hinter einer geschlossenen, wenngleich hübschen Fassade lassen sollten.

 

Und Heidi Klum ist ein Objekt, das das deutsche Fernsehen nicht braucht.

 

Text: Eva Stützer
Bild: Karen Diaz