Über Kaffeekamele und Satanskult
Mein Leben als Poetry Slammer 2

2. Teil eines Erfahrungsberichtes aus dem wahren Leben. Nicht geskripted, alles real.

Fortsetzung von Teil 1

Als ich am nächsten Tag das Haus verlasse, sagt ein freundlicher Opa aus der Nachbarschaft: „Grüß Gott!“ zu mir. Ich sage: „Morgen!“ und frage mich in der gleichen Sekunde, ob er mich verstanden hat. Ich spreche doch kein Fränkisch.

Dann werde ich zum Essen eingeladen. Hell yeah, so stelle ich mir das vor. Man erzählt sich den neuesten Slammergossip. Einfach wunderbar.
Erlangen gibt sich auch sehr trist. Eine Freundin meint: „Sieht aus wie im Osten hier!“ Nicht ganz, hier gibt es Eichhörnchen.
Ansonsten hänge ich nur auf der Couch rum. Völlig unmotiviert. Ich bemerke, dass meine Kondition und vor allem mein Schlafrhythmus keiner Tour standhalten. Daran sollte ich arbeiten.

Am Abend machen wir uns auf zum „Omega“. Wie ich höre, ein Etablissement, das sehr an gutem Ruf abbaut. Schnell merke ich, warum: Wir warten und warten und warten draußen und niemand kommt, um uns die Bude aufzuschließen.
Ausweichmöglichkeiten sind in Planung. „Niemand hat die Absicht, einen Slam zu boykottieren.“ Ob im Wohnzimmer der Ex-Freundin des Moderators, als Open Air oder im Bus; dieser Slam wird nicht ins Wasser fallen. Der Abend könnte all meine bisherigen Erfahrungen toppen.

Während Slammer und Publikum sich beim gemeinschaftlichen Frieren anfreunden, kommt doch noch ein Engel auf dem Fahrrad und schließt die Hütte auf. Zusätzlich gibt’s ein Entschuldigungsfreibier. Like. Auch, wenn ich als Slammer sowieso Freigetränke bekomme.
Und dann hilft doch tatsächlich das Publikum mit, den Saal slambereit zu machen. So etwas habe ich auch noch nie gesehen.

Es ist der Hammer. Zwei Slammer widmen mir ihre Texte und ich werde mit Anfeuerungsrufen nochmal auf die Bühne geholt, auch, wenn ich nicht mal ins Finale komme.
Diesmal fahren uns zwei freundliche Zuschauer heim. Purer Luxus.

Am nächsten Morgen muss ich leider wieder nach Hause. Es war einfach nur schön.
Als ich an der Bushaltestelle stehe, fragt ein unseriöser Anzugmensch mit osteuropäischem Akzent, ob er mich in seinem schwarzen Lieferwagen zum Bahnhof bringen kann. Ja, Franken sind wirklich nette Menschen.
Ich fahre nicht mit ihm.

Im Zug streitet eine Gruppe Jugendlicher über die Funktion von Löschpapier. Das werde ich mir merken. Die besten Geschichten schreibt ja doch das Leben.
„Sehr geehrte Fahrgäste, wir haben 10 Minuten Verspätung aufgrund eines überholenden Zuges.“
Es ist ein ewiger Krampf.

 
Text und Foto: Eva Stützer