Über Kaffeekamele und Satanskult
Mein Leben als Poetry Slammer 1

1. Teil eines Erfahrungsberichtes aus dem wahren Leben. Nicht geskripted, alles real.

Ich stehe am Bahnhof und möchte nach Forchheim fahren. Dort wird heute Abend ein Slam stattfinden, an dem ich teilnehmen werde.
Die Fahrgastinformation meint, mir sagen zu müssen, mein Zug hätte 5 Minuten Verspätung. Ich rechne schnell meinen Zeitplan durch. Bei x-Mal  Umsteigen könnte das knapp werden.
Als der Zug kommt, beschleicht mich das Gefühl, der Tag würde noch an meinen Nerven zehren.
Und das tut er auch. Doch irgendwann sitze ich im letzten Zug und bin erleichtert.
Ich belausche zwei Mädchen, die sich über ihre Haushaltspflichten unterhalten: „Wenn meine Eltern zu Hause sind, habe ich auch keine Lust, aber sobald die im Urlaub sind, putze ich den ganzen Tag, weil es mir so Spaß macht.“
Wo bin ich hier nur gelandet?

Ich steige in Forchheim aus. Oberfranken. Hell yeah. Dort, wo Menschen lustig sprechen. Ich habe Zeit, das schaue ich mir an. Schnell bin ich mitten im Ortsgeschehen. Also eigentlich im Nichtgeschehen, denn hier sieht es aus wie auf dem Dorf. Kleine Häuser, kleine Lädchen, alles grau in grau. Verdammt, das ist doppelt so dorfig wie bei mir zu Hause. Ich bin schockiert.
In einem Buchladen frage ich nach Postkarten. Bin Sammler. Muss so sein, unterscheidet sich nur in einem Buchstaben von Slammer.
Der Verkäufer schaut mich ungläubig an. Scheint noch nie vorgekommen zu sein. Auf einer Karte lese ich „Bierstadt“. Ah ja. Klingt spannend. In die Häuschen male ich Strichmännchen. Alle Forchheimer versammelt. Oha, bin ich witzig.

Ich laufe noch etwas umher und entdecke doch noch Zivilisation. Auf der einladenden Einkaufsstraße hört man pünktlich um 18 Uhr nur noch Schüssel klappern, mit denen die Besitzer ihre Läden dicht machen. Danach werden die Bürgersteige hochgeklappt.

Genug geschaut, jetzt will ich sprechen. Ich gehe zu dem kleinen  Restaurant, in dem der Slam stattfindet. In diesem Fall wirklich, wirklich sehr klein. Ich hoffe, keine Klaustrophobie zu erleiden.
Der Slam ist aber der Hit. Ich lande auf dem zweiten Platz.
Allmählich leert sich der Saal. Einer der Slammer verabschiedet sich von mir mit den Worten:
„Wir sehen uns ja morgen noch.“
„Ach ja? Tun wir?“
„Ja, in Erlangen ist doch morgen ein Slam. Du stehst auf dem Line Up.“
„Okay. Schön, dass man mir das auch sagt. So hatte ich das eigentlich nicht geplant.“

Bei der nächsten Gelegenheit frage ich den Organisator des Ganzen:
„Sag mal, bin ich morgen noch dabei?“
„Na klar bist du dabei.“
„Äh…Okay. Cool. Vielleicht sollte ich mal zu Hause anrufen.“
Somit hat sich dieser Auftritt in meine erste Minitour verwandelt. Und das auch noch in Franken. Himmel hilf!

ich fahre in einem komplett zugemüllten Auto zu der Wohnung des Moderators, bei dem ich übernachten darf. Jenes stellt sich zwar als charmant, aber ebenfalls komplett unaufgeräumt heraus.
Ich ahne, dass Franken das Chaos beherrschen. Ich erinnere mich an die Mädchen im Zug und empfinde plötzlich den Drang zu putzen.

 

Fortsetzung folgt…

 

Text und Foto: Eva Stützer

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