Über Kaffeekamele und Satanskult
In der Universität

Eine Horde achtzehnjähriger steht im Forum und weiß nicht weiter. Sie wuseln herum wie frei gewordene Elektronen, stoßen sich gegenseitig ab, nur wenige bilden Gruppen. Man ahnt es schon: Gleich beginnt der Chemievorkurs.

Ich habe extra zeitig (naja, 2 Uhr morgens) den geselligen Kennlernabend in der Bar verlassen und bin heute viel zu früh aufgestanden, um herzukommen. Schließlich sagte der freundliche, ältere Semester aus meiner Fakultät, dass ich es möglicherweise mal gebrauchen könnte. Dem Himmel sei Dank wurde mir ebenso (sogar doppelt) gesagt, dass der einwöchige Mathevorkurs reine Zeitverschwendung sei. Wie schön. Der Betreuungsschlüssel ist erste Sahne, doch ich allein bin 50% der weiblichen Anwärterschaft meines Studiengangs.

Ich habe mir eine halbe Stunde zum Frühstück eingeplant. Dann stelle ich fest, dass ich nichts habe, das sich frühstücken ließe. Man könnte in dieser Situation natürlich zum Bäcker gehen, aber das kostet Mühen und Geld. Ich fühle mich wahrlich studentisch.
Also ab aufs Rad und zur Uni.

Jetzt sind wir vielleicht im richtigen Gebäude, müssen aber noch den richtigen Hörsaal finden. Ein Hoch auf den Herdentrieb! Dann sehe ich plötzlich jemanden aus meiner Schule. Wie krass! Wer hätte gedacht, dass es von unseren 60 Schülern des Dorfgymnasiums tatsächlich zwei an diese schnucklige kleine Uni in Freiberg verschlägt?
Wir schauen uns gemeinsam die Vorlesung an und stellen schnell fest: Sinnlos. Alles schon gehört, dabei hatten wir grad mal zwei Stunden Chemie pro Woche. Ich sage leise: „Warum bin ich so früh aufgestanden?“ und höre aus der Reihe vor mir: „Gute Frage.“

Die kompetente Referentin vorn erklärt alle möglichen Theorien und die Ausnahmen dazu. Dass die Realität auch immer dazwischen funken muss. Frechheit.
Natürlich findet auch Erwähnung, dass einige Freiberger Gelehrte Elemente entdeckt haben. Manch böse Zunge würde behaupten, in diesem Nest könne man auch nichts anderes tun als Elemente zu entdecken.
Dann die große Frage: Sie hat mittlerweile alle verfügbaren Tafeln (und das sind nicht wenig) vollgeschrieben. Wird sie selbst wischen? Sie nimmt den Schwamm, da werfen sich schon todesmutig zwei Hilfskräfte dazwischen und nehmen ihr die Arbeit ab. So ein Leben hätte ich auch gern.

Nach der Vorlesung geben wir uns nochmal richtig dem Studentsein hin: Wir schwänzen den Rest und trinken Kaffee.
Später ist dann der Ersti „Meet & Grill“ Abend. Inklusive Selbstversorgung. Es ist kalt und dunkel, weil niemand einen Schlüssel hat, den man benötigt, um Licht anzuschalten. Das nenne ich klasse Organisation. Aber wir munkeln, dass dies der Grund sein kann, warum Sachsen nicht grad zu den verschuldeten Bundesländern zählt. Hier wird Strom gespart.

Es treibt uns noch in eine Studentenbar. Wie klischeehaft. Wird aber richtig schön. Dort treffen wir auch andere Leute, von denen jemand Geburtstag hat. Wir werden spontan in die WG eingeladen. Dort passiert eigentlich nichts auffälliges, aber trotzdem steht dann ein Polizist im Zimmer. Er ist einigermaßen kulant. Als sich der große Zeiger dann der vier nähert, machen wir uns auf den Heimweg. Meiner ist zum Glück nicht lang. Fünf Stunden habe ich noch, bis ich wieder aufstehen muss.
Schon nach zwei Tagen kann ich mich mit dem Studentenleben gut anfreunden.

Text und Foto: Eva Stützer