Über Kaffeekamele und Satanskult
Produkttest Sonos One Lautsprecherbox

Der folgende Artikel ist nicht gesponsert. Er ist nur von einer absolut Ahnungslosen, die in das Zeitalter von WLAN, Apps und Soundsystemen hineingeboren wurde, seine Errungenschaften entdeckt und denjenigen eine Art Hilfestellung geben will, die auch nicht damit klar kommen.

Ich habe in einem Gewinnspiel so eine Sonos Box gewonnen. Habe mich voll gefreut, auch wenn ich gar nicht wusste, was das ist. Als sie ankam, probierte ich sie natürlich sofort aus. Stellt sich raus, es ist eine Lautsprecherbox, die man nicht an ein Abspielgerät schließen kann. Man braucht eine App, dann zieht sie das Abzuspielende eigenständig über WLAN aus dem Internet. Da sagte mein Telefon gleich: „Ne, ich bin zu alt für diesen Scheiß. Das tue ich mir nicht an.“
Mein Laptop dagegen kommt einigermaßen mit der App klar. Zumindest dann, wenn er nicht abstürzt, aber das ist ja „normal“. Nach einigen Tagen hatte ich es geschafft, ein paar Radiosender auf der Box abzuspielen. Dummerweise ist der einzige Sender, den ich höre, Deutschlandfunk Kultur. Den habe ich bis heute nicht in der App gefunden.

Nächster Schritt: Musik abspielen. Die eigene geht nicht, denn man braucht dafür eine Cloud. Keine Ahnung, wie das genau funktioniert, aber allein der Gedanke, meine ganze Sammlung ins Internet hochladen zu müssen, lässt mich erschaudern. Also muss ich wohl Musikstreamingdienste nutzen. Habe ja schon viel von diesem Spotify gehört. Ich melde mich dort also an und versuche zu verbinden. Nope. Premiumaccount nötig. Das bedeutet: Ich kann überall und jederzeit unter der Voraussetzung einer Internetverbindung an meinem Laptop sämtliche Musik von Spotify hören. Aber ich muss 10 Euro im Monat bezahlen, damit ich sie in meinem Bad oder in der Küche über den Sonos hören kann. Klasse. Mit dem Studentenrabatt könnte ich noch die Hälfte sparen. Aber ich sehe nicht ein, dass sich das in einer Wohnung, in der mir faktisch nur ein Zimmer gehört, lohnen soll.

Nach tausenden Versuchen habe ich es dann geschafft, Soundcloud mit der Sonosbox zu verbinden. Ja, auch das hat ein Premiumangebot, wie alle anderen Dienste ebenso, aber ein paar nette Künstler wie Rise against gibt es trotzdem, die ausgewählte Lieder auch dem unverschämten Gratis-Pöbel zur Verfügung stellen. Jetzt habe ich mittlerweile schon etwa zwei Dutzend Songs, die ich beim Duschen im Bad oder beim Gemüseschnippeln in der Küche hören könnte. Immer und immer wieder, Tag für Tag.

Was gibt es noch über die Box zu sagen? Sie hat einen Schlummermodus. Wozu? Keinen Plan. Die Songs faden nach der angegeben Zeit dann halt aus. Man könnte auch auf der Box Pause drücken. Aber da müsste man sich bewegen. Man könnte auch in der App Pause drücken. Aber … naja, Schlummermodus klingt cooler.

Das Abspielgerät kann mich auch wecken, nur einmal oder täglich oder ganz nach Bedarf. Dafür muss nur ständig diese Box am Strom hängen. Klasse. Sie hat keinen Aus- oder Standby-Knopf. Doch wenn man dann recherchiert, wie hoch der Stromverbrauch ist, wird einem auch ganz anders.
Ich kann die Musik automatisch laufen lassen, ganz einfach lauter und leiser machen oder pausieren. Mehr geht aber leider nicht ohne die App. Kein Zurück- oder Vorspulen, Wiederholen oder Springen direkt am Maschinchen.

Kommen wir zu Alexa. Nein, das ist nicht meine Mitbewohnerin, die meine Sachen unerlaubt verwendet, sondern die nette Tante von Amazon, die dir alle Wünsche erfüllt, wenn du in der Lage bist, ihre Sprache zu sprechen. Man kann Alexa auf der Box installieren. Wie, weiß ich nicht und ich will es nie herausfinden. Amazon ist ein abgrundtief böser Konzern und Alexa trau ich einfach nicht über den Weg. Wenn man den ganzen Tag in einer fremden Wohnung rumsteht, muss man zwangsläufig nur auf dumme Ideen kommen. Das passiert auch mir in meiner eigenen. Erst letztens habe ich in der Doku „Amazon – gnadenlos erfolgreich“ gesehen, dass Alexa Audios aufnimmt und speichert, wann immer sie glaubt ihren Namen gehört zu haben. Darin war auch eine Familie zu sehen, die so unfassbar anhängig von dem Ding zu sein scheint, wie ich es mir nie vorstellen könnte. Mal ehrlich, wenn ich das Wetter wissen will, schaue ich aus dem Fenster. Wenn ich irgendwas brauche, schreibe ich es auf meinen Einkaufszettel und muss es nicht von Lieferwagen durch die Republik zu meiner Haustür fahren lassen. Natürlich wäre es sehr nett, eine Sklavin zu haben, die auf Kommando die Musik für mich abspielt, aber selbst das kriege ich im Notfall auch noch hin. Im Gegenteil, ich käme mir ziemlich blöd vor, mit dem leblosen Ding zu sprechen.

Wisst ihr, welches Lied ich auch auf der Box spielen kann? Das hier:

 

Fazit: Ich mag meine riesige Musikanlage von vor 20 Jahren. Die Kabel sind alle schon ganz schön durchgenudelt, es kratzt und hat Macken, die Fernbedienung funktioniert nicht, aber ich kann sie einfach über den Klinkenstecker ans Handy, MP3 Player und an den Laptop hängen. Dann höre ich Radio, meine Musik- und Hörbuchsammlung oder irgendetwas ausm Internet. Sogar CDs haben damit noch nicht ausgedient. Zudem kann ich an Lautstärke, Art und Quelle der Beschallung herumspielen.

Ich mag aber auch die Box, denn sie ist handlich. Ich kann sie problemlos in der Wohnung verstellen, bisher hat sie trotzdem funktioniert, auch wenn unser WLAN nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Ich muss währenddessen auch nicht unbedingt ein weiteres Gerät laufen lassen, die Playlist spielt weiter, auch wenn ich die App und den Laptop ausgeschaltet habe. Auch die Weckfunktion finde ich ganz nett.
Ich stelle mir die Box vor allem dann praktisch vor, wenn ich mal in einer eigenen Wohnung hause und sich meine Habe und mein Tun nicht mehr in einem Zimmer sammelt. Doch wenn man keine größeren Pläne mit dem Teil realisieren will, dann wäre es mir den Preis nicht wert.

 

Text und Bild: Eva Stützer