Interview mit MANDO feat. AERODICE
Geballte Ekstase im E-Werk

Mando am Beatboxmikro und Marius am Didgeridoo haben einen der eindrucksvollsten Auftritte des gesamten Open Flair Festivals abgelegt. Eva Stützer hat sie im Anschluss interviewt.

Wie war euer Auftritt für euch?
Mando: Sagen wir, es war höchstgradig schön, voller Ekstase und Euphorie. So viel Liebe für Beatbox und Didgeridooinstrumentalmusik war einfach großartig. Das hat uns sehr beflügelt.
Marius: Episch, einfach episch.

Seid ihr schon einmal auf einem Festival aufgetreten?
Mando: Allein bin ich schon auf sehr vielen Festivals aufgetreten.
Marius: Ich auch.
Mando: Zusammen ist es das zweite Mal. Aber beim ersten Mal waren wir zu dritt. Hier also zum ersten Mal auf einem Festival in dieser Konstellation.

Wo habt ihr euch kennengelernt?
Mando imitiert eine Grille.
Mando: Marius hat mich angeschrieben wegen des Labertalfestivals. Ob ich Lust hätte, da aufzutreten Die Bühne dort war sehr pompös. Der damalige Beatboxer von Marius hat mich als dritte treibende Kraft empfohlen.
Marius: Wenn du eine riesige Bühne hast, brauchst du mehr Präsenz, zu zweit verliert man sich da.

Wie kam dir die Idee, Didgeridoo an Beatbox zu koppeln?
Marius: Das ist eigentlich durch Zufall entstanden. 2009 hatten Freundinnen von mir die Idee, mich mit Marten, meinen ersten Beatboxpartner, auf einem Straßenfest zusammenzubringen. Wir haben dann in einer Seitengasse ohne Didgeridoo gejammt und das war super cool. Eine Woche später hatten wir unseren ersten Auftritt in Berlin, da war klar, dass die Kombi passt. Da ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.

Wo lernt man überhaupt so Didgeridoo zu spielen?
Marius: Zum Beispiel in meinem Workshop morgen. Ich habe es autodidaktisch gelernt seit ich 12 bin. Also 24 Jahre lang. Damals hatte mein Stiefvater die Idee, aus Stauden aus unserem Garten Didgeridoos zu bauen. Das hat mich sehr fasziniert und ich bin dabei geblieben.

Wie laufen eure Workshops morgen ab?
Mando: Ich werde den Teilnehmern ein paar einfache Grundgeräusche zeigen und später so verdichten, dass sie eigenständige Rhythmen kreieren und einzelne Geräusche einstreuen können. Dann haben sie innerhalb der zwei Stunden schon viel geschafft.
Marius: Ich fange mit einfachen Sachen an. Es geht darum, diesen Grundton zu lernen.
Er macht „pfffffrrr“. Wie soll ich das denn aufschreiben? Wir lachen.
Marius: Den Grundton muss man erstmal draufhaben. Dann geht es darum, den zu modulieren und Spezialsounds einzubauen. Ich erkläre viel über Atemtechniken und Circuläratmung, damit man Töne permanent spielen kann. Das üben wir. In zwei Stunden kann man schon etwas vermitteln, aber es gehen selten Leute als wundersame Didgeridoospieler dabei hinaus.

Wie viele Didgeridoos hast du dabei?
Marius: Ich glaube, 15. Einfache Plastikröhren aus dem Baumarkt, nicht schwer zu tragen.

Habt ihr schon daran gedacht, eine Disko zu eröffnen?
Mando: Daran gedacht habe ich noch nicht und ich weiß auch nicht, ob ich gerade ernsthaft die Kapazität dazu hätte, eine Disko zu leiten, aber wenn Marius den Hauptteil übernimmt und ich nur das Geld einstreichen muss, dann hätte ich nichts dagegen.

Immer in Bewegung, zu schnell für ein gutes Foto: Mando fest. Aerodice

 

Mando, du hast schon einen Haufen Projekte ausprobiert. Welches war denn das coolste?
Marius: Oha, jetzt wäre ich ganz vorsichtig.
Mando: Ich muss sagen, jedes Projekt hat mich auf seine Weise ein Stück vorangebracht, offener und reifer gemacht. Alle haben mich inspiriert, etwas Neues auszuprobieren. Es war immer ein gegenseitiges Hochschaukeln.
Ein Projekt, was sehr lange läuft und mir sehr viel Spaß macht, ist natürlich mit meinem Beatboxpartner Phil. Seit 2003 sind wir als Crew unterwegs, das ist quasi mein Hauptprojekt. Alles andere ist nicht minder schön, sondern ergänzt sich wunderbar.

Du hast eine richtige Datenbank für deine Geräusche. Wie notierst du dir das?
Mando: Es gibt verschiedene Szenarien: Ein- oder Ausatmen, Summen über die Nase, Lippenspannung, Zunge. Das versuche ich zu beschreiben. Genauso wie den Sound, den es darstellen soll. Der Reißverschluss soll natürlich auch so klingen. Dann schreibe ich in Klammern alle möglichen Hilfsgedanken, um den Sound zu rekonstruieren, falls ich ihn vergesse. Es hilft natürlich auch eine Audioaufnahme beim Reproduzieren.

Schaust du sie manchmal durch mit dem Gedanken „Ach, was habe ich denn lange nicht gemacht?“
Mando: Die Liste habe ich schon lange nicht mehr durchgeguckt, jetzt wo du es sagst. Das sind über 200 Sounds. Da kann ich bestimmt das eine oder andere Geräusch jetzt hinzufügen. Es macht auch Spaß, diese Liste durchzugehen.

Seht ihr euch noch andere Künstler hier auf dem Open Flair an?
Mando: Ich geh gleich ins Bett. (lacht)
Marius: Ich auch, wir sind ja schon über 30.
Mando: Wir sind mega platt nach dem Auftritt. Aber sicherlich schauen wir noch etwas an.
Marius: Ich habe Bock auf Kraftklub, auf deren Bühnenshow und ich mag auch ein paar Tracks von denen ganz gern.
Mando: Gestern habe ich mir Trailerpark angeguckt, sonst war ich mit den Sachen im E-Werk beschäftigt, mit dem Cross over Slam.

Was ist in euren Kühlschränken?
Marius: Wenig Milchprodukte, wenig Fleisch, Eier, Salat, GEmüse, pflanzliche Brotaufstriche. Im Schrank stehen noch Haferdrink, Reisdrink, Paleomüsli, veganes Protein. Ich bin Diplomumweltwissenschaftler und Yogalehrer, habe sehr lange im ökologischen Bereich gearbeitet. Das hat mich sehr geprägt und ich achte auf meine Ernährung.
Mando: So, jetzt kommt der andere. Viel Fleisch, viel Milchprodukte. (lacht) Also was immer drin steht, sind Apfel- und Orangensaft, Milch für den Kaffee. Jogurt, verschiedene Senfsorten, Aufstrich fürs Frühstück. Teilweise auch Eier, Salat, Tomate, Gurke, Paprika, gerne auch Bier oder Weißwein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über Marius‘ Projekt Aerodice: www.aerodice.de  und auf Facebook
Mehr über Mandos Projekt 4xsample: www.4xsample.de und auf Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.