Über Kaffeekamele und Satanskult
Übermorgen ist Weihnachten!

Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die es noch nicht wissen. Daher hier eine kleine Erinnerung an all das, was noch getan werden muss.

Ich werde erwachsen. Ich merke das daran, dass ich mich nicht mehr auf Weihnachten freue.

Wie oft habe ich früher meine Mutter auszutricksen versucht, um meine Geschenke nur ein paar Stunden früher zu bekommen. Voller Freude saß ich dann unter dem Weihnachtsbaum und zerfetzte das Geschenkpapier mit allem, was mir zur Verfügung stand.

Doch dann änderte sich alles. Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen einen schrecklichen Abend, an dem mein Bruder mir sagte, nicht der Weihnachtsmann brächte die Geschenke, sondern die eigenen Eltern. Skandal! Ich war 4 oder 5 Jahre alt und meine Welt brach zusammen.

Und seit diesem Zeitpunkt hat sich meine gesamte Vorfreude in Hass auf den Weihnachtsmann verwandelt. Diese miese Marionette der Industrie. Was hat er denn je für uns getan? Er hat uns doch von vorne bis hinten verarscht!

Er hat unsere Kekse gefressen, unsere Milch getrunken, ist durch einen Kamin, den wir nie besaßen, in unsere Wohnung eingebrochen und hat uns ein völlig falsches Verständnis von den Gesetzen der Physik vermittelt.

Ich musste all die Jahre artig sein und meine von Grund auf diabolische Seite verstecken, denn „Sonst bekommst du nichts vom Weihnachtsmann!“. Und was habe ich dann bekommen? Etwas, das ich sowieso nicht wollte! Wer kennt das nicht? Jedes Jahr hässliche Klamotten, die man eh nicht anzieht.

Wie viel Spaß hätte ich haben können? Wie viel Zeit hätte ich heute noch, wenn ich nicht mit Anbruch der Weihnachtszeit im September loslaufen müsste, um Geschenke zu kaufen.

Die Eltern sagen sowieso immer, zu jeder sich bietenden Gelegenheit: „Ich wünsche mir nur ein artiges Kind.“ Ja, frag doch im Waisenhaus nach!

Und dann gibt es auch noch Menschen, die sagen: „Mir brauchst du doch nichts zu schenken.“ Wenn man aber erwidert: „Okay. Du hast es so gewollt. Dieses Mal mach ich es wahr. Du bekommst nichts.“ Bekommt man nur so einen Du-bist-für-mich gestorben-Blick und sieht tief in ihnen etwas zerbrechen.

Mal ehrlich, wer bin ich denn, dass ich die Arbeit des Weihnachtsmannes übernehmen müsste? Wenn ich den in die Finger kriege, stauch ich in zusammen, was er sich denn einbilde, seinen Job nicht zu machen. Wenn das jeder täte! Dabei hat er ja 364 freie Tage im Jahr. Da kann man sich doch mal zusammenreißen. Und dann kann er noch putzen, den Baum aufstellen, schmücken und Plätzchen backen. Oder soll ich das etwa auch noch machen? Und dann wanke ich nach dem x-ten Glühwein über den Weihnachtsmarkt, um die letzten Geschenke zu sammeln. Für mich geht da eine Rechnung nicht auf. Ich gebe mein hart erspartes Geld aus, um anderen eine „kleine Freude“ zu machen, bekomme aber nur die Hälfte des Wertes zurück.

Zwei Monate Vorbereitung und Stress für einen Abend, an dem man sich wünscht, er würde so schnell wie möglich enden. Man hofft inständig, die ganze Sippschaft würde sich nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Währenddessen frisst die Katze, von Weihnachtsmusik animiert, mittels Glöckchen aufgemotzt wie ein Weihnachtsschlitten, das Lametta vom Baum und knabbert die Lichterkette an. Kurzschluss, erstes Opfer. Omas Fußhupenhund ist in den Backofen gehüpft. Vielleicht hätte ich die Tür nicht zumachen sollen…

Das Zimtsternrezept hab ich auch verwechselt. Und die Haschkekse bereiten Opa Bauchschmerzen.

Die Neffen spielen ‚Wer kann am längsten die Hand in die Kerzenflamme halten? ‘ . Ehrgeizige kleine Blagen. Aus denen wird noch was.

Der Vater rutscht beim Schnee Schippen aus und verstaucht sich den Knöchel. Was schief laufen kann, läuft schief. Das Haus ist verlassen, ich hab meine Ruhe. Geil eigentlich. Ich plündere nur noch den Weihnachtsbaum und die Keksdose, verzieh mich in mein Zimmer und schmiede den Plan fürs nächste Jahr.

Frohe Weihnachten!

Text und Foto: Eva Stützer

2 Gedanken zu „Über Kaffeekamele und Satanskult“

  1. Du vergisst bei allem das beste an weihnachten! Es ist Erdnusshochseasion!
    Besonder zu empfehlen gebrannte Erdnüsse im Zuckermantel!
    Beste Grüße an Minipferdi, schön zu sehen, dass es zum Internetstar wird.

    A peanut a day, keeps the doctor away!
    Hochachtungsvoll,
    Pferdi

    1. Liebes Pferdi,

      tatsächlich ist mir diese Komponente noch nie aufgefallen. Das verändert natürlich alles. Ich schlage vor, Lebkuchen durch Erdnussprinten zu ersetzen und Erdnussglühwein auf jedem Markt zu offerieren! Nieder mit den Haselnüssen!

      Ein gesegnetes Erdnussfest,

      deine Eva

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